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01/05

Hell is us: Mitten in der Hölle

Hell is us versetzt Spieler in einen von Bürgerkrieg und übernatürlichen Wesen heimgesuchten Kleinstaat der 90er Jahre. Das kanadische Studio Rogue Factor liefert ein intensives, lineares Adventure mit durchdachten Rätseln, erschütternden Kriegsdarstellungen und beklemmender Atmosphäre. Technisch läuft das Spiel unter Linux stabil, auf dem Steam Deck mit Einschränkungen, aber spielbar.

Hügel von Vyssa

Ein Soldat, einst als kleines Kind von seiner Mutter aus einem bürgerkriegsgebeutelten Land geschmuggelt, kehrt nun in den 90er Jahren einer alternativen Zeitlinie der Menschheit zurück in dieses zerstörte Land auf der Suche nach seinen Eltern, und findet dabei eine Welt vor, die nicht nur menschlich grausam ist, sondern auch noch von übernatürlichen Wesen heimgesucht wird.

Die Welt

So lässt sich Hell is us grob zusammenfassen. Diese Prämisse verspricht bereits viel und das kleine kanadische Studio Rogue Factor aus Montreal schafft es mit diesem Spiel, diese Welt detailliert zu beschreiben und eine spannende Geschichte zu erzählen.

Soviel sei gesagt, ohne zu spoilern: Man hat es hier nicht nur mit einem Action Adventure in der Third-Person Ansicht zu tun. Das Spiel ist vollgespickt mit unterschiedlichsten Rätseln, seien es Schalter- oder Kombinationsrätsel. Diese sind zwar nicht immer selbsterklärend, aber die gesamte Spielwelt bietet verstreut Hinweise darauf.

Also was erwartet uns? Hell is us ist kein Open World Game. Die Spielewelt ist in mehrere mit einem Militärfahrzeug erreichbare Spieleabschnitte unterteilt. In diesen Spieleabschnitten kann man sich mehr oder weniger frei bewegen, einige Passagen werden erst mit der Lösung von Rästeln freigegeben, oder wenn die Schlüssel zu verschlossenen Türen gefunden sind. Vorgesehen sind allerdings strikte Wege, die zur Lösung führen.

Eine anfangs ungewohnte Einschränkung ist, dass kein Springen möglich ist. Der Charakter kann somit nicht einfach auf erhöhte Kisten oder Plattformen hüpfen, sondern muss immer entsprechende Wege und Rampen finden.

Diese künstliche Einschränkung ist wohl vor allem den Rätseln und auch dem Leveldesign geschuldet, viele Wege und Aufgaben ließen sich mit einem beherzten Sprung abkürzen. Aber, der Spieler soll die vom Entwicklerteam vorgegebenen Wege nutzen. Viele Infos, Geschichten, NPCs finden sich auf diesen Wegen und tragen viel zur Stimmung des Spiels bei.

Hölle

Die Stimmung ist gelinde gesagt bedrückend. Selten wurden die Schrecken des Krieges so prägnant vermittelt und transportiert. Zwei religiöse Gruppen, seit Jahrhunderten in Konflikt, in einem Bürgerkrieg, mit Kriegsverbrechen, Massenexekutionen, Leichengruben, leerstehenden Häusern mit erschossenen Familien. Das alles ist nichts für schwache Nerven, und auch ich musste an manchen Stellen schlucken. So findet man die Leiche eines Kindes im Kinderzimmer, oder befreit in einer Nebenquest junge Mädchen aus einem versperrten Schuppen wo sie zur sexuellen Ausbeutung von einer Gruppe von Soldaten gehalten wurden.

Es sind nicht viele Nebenquests, die so beiläufig im Spiel auftauchen und einige davon haben auch eine zeitliche Komponente, die sich anfangs nicht erschließt. So trifft man in einem Kanalsystem unter einem zerstörten Dorf eine alte Frau, die sich dort mit einem schreienden Säugling versteckt. Der Kleine hungert und man wird aufgefordert, Milch zu bringen. Als ich nach längerer Suche nach Milch – man muss dafür an einen anderen Ort reisen – wieder zurückkomme, ist das Baby tot.

Man hätte nicht ungern Lust, die dämlich grinsenden Soldaten eines kleinen Camps mit dem Schwert zu vierteilen – allerdings sieht das Spiel diese Interaktion nicht vor. An keiner Stelle können oder sollen wir einen Menschen töten. Was die Waffen betrifft: Die Story erklärt es im Verlauf, aber den überwiegenden Teil des Games sind wir mit altertümlichen Schwertern, Äxten sowie aktiven und passiven Gegenständen ausgestattet, die sich magische Fähigkeiten zunutze machen.

Ja, Hell is us ist die Hölle auf Erden. Krieg, Leid, Tod, Zerstörung, menschliche Abgründe. Und gerade wegen dieser intensiven Erzählung kann man die Abstriche beim Level- und Gamedesign akzeptieren. Hell is us ist kein Open World Action Rollenspiel, es ist ein Adventure und die Wege hin zu den Lösungen sind linear aufgebaut, die Rätsel sind gut druchdacht und meist schlüssig. Vor allem ist es wichtig die Hinweise genau zu lesen und die Umgebung genau zu beobachten, überall befinden sich Symbole. Ein gutes Gedächtnis zu haben oder viele Screenshots zu machen ist von Vorteil. Es gibt keine klassische Questlog, keine Questmarker. Man muss sich die Informationen selbst zusammensuchen, Schlüsse ziehen und dann auf Erkundungstour gehen.

Ein weiterer Aspekt des Spiel ist die Musik. Wer will, kann sich diese bei Spotify anhören. Perfekt fügt sich der Soubdtrack in diese bedrückende Spielewelt ein. Man kann hier auch kaum von Musik sprechen, es ist eine atonale Sinfonie der Hölle, kein bombastischer RPG Soundtrack den man auch mal laut aufgedreht beim Kochen hört. Die Musik bleibt wie das Spiel, die Story, das Setting: angsterfüllend und bedrückend.

Linux Gaming

Kommen wir zu den technischen Aspekten. Hell is Us rennt problemlos unter Linux. Auf meinem Spiele PC mit Bazzite habe ich durchwegs 60 Bilder pro Sekunde in FullHD bei mittleren Details.

Auf dem Steamdeck läuft das Spiel nicht ganz so gut. Es ist spielbar. Mit den niedrigsten Qualitätseinstellungen läuft es gut zwischen 30 und 40 Bildern pro Sekunde, hat allerdings an manchen Stellen oder je nach Gegneranzahl auch mal Framedrops Richtung 20. Sehr empfehlen kann ich an dieser Stelle Decky Loader und Lossless Scaling. Decky Loader als empfohlene und bequeme Extension um wiederum andere Erweiterungen wie das genannte Lossless Scaling zu aktivieren. Lossless Scaling macht Frame Generation, also macht es aus 30 fps im besten Fall flüssige 60 fps. Das macht es mit Zwischenbildberechnung. In Hell is Us führt das vor allem dann zu Artefakten, wenn man die Taschenlampe nutzt. Hohe Kontraste sind nun mal nicht der Ideale Usecase für Frame Generation. Aber es bleibt Abwägungssache, 60fps vs. Artefakte, ich ziehe eine flüssige Spieleerfahrung vor, mit grafischen Auffälligkeiten kann ich leben.

Fazit

Hell is us ist ein intensives Spieleerlebnis in einem bürgerkriegsgebeutelten Kleinstaat der 90er Jahre. Mehrere verteilte Spieleabschnitte dieser Welt lassen sich bereisen, die Abschnitte selbst sind dafür gedacht linear abgearbeitet zu werden. Das Fehlen von Aktionen und Freiheiten, sei es in Bewegung oder Entscheidung, ist allerdings kein Makel, sondern fügt sich in dieses bedrückende Setting überraschend gut ein – es verstärkt die Hilflosigkeit, die einen umgibt.

Clemens

Oft grantig, aber meistens ein ganz Lieber • Semi-informed • Nerdkramgedöns • My Kids2 👦🏻👦🏼 • science 🔬 • tech • 🖥️(SteamDeck) Gaming3 🎮 Mac 🍏 & Linux 🐧 • Hiking 🏔️ • Podcasting • Podcasthörend fast rund um die Uhr • DIY‘er • supporting 🏳️‍🌈 • Antifaschist • 🇪🇺 🌍

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