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01/05

Ubuntu Linux in der Alltagsnutzung – 18 Monate später

Eineinhalb Jahre nach dem Start des EliteBook-Experiments ziehe ich Bilanz: Ubuntu mit GNOME ist längst gleichwertig zum MacBook, vor allem fürs Coding mit IntelliJ, DBeaver und Claude Code. Auch Gaming läuft komplett auf Linux, per Bazzite und Steam Deck. Ein klarer Alltagsbeweis statt Experiment.

Screenshot From 2026-08-22 09-39-17

Vor eineinhalb Jahren habe ich beschrieben, warum ich mir ein gebrauchtes HP EliteBook geholt und mit Ubuntu bestückt habe – als Ergänzung zum MacBook, als Fallback, als Experiment. Zeit für eine Bestandsaufnahme: Was ist aus dem Experiment geworden?

Kurze Antwort: kein Experiment mehr

Auf dem EliteBook läuft mittlerweile Ubuntu 26.04, und das Gerät ist für mich gleichwertig zum MacBook. Nicht identisch – ich mache nicht alles auf dem einen, was ich auf dem anderen mache, und umgekehrt genauso wenig. Aber gleichwertig heißt hier wörtlich: Ich denke beim Griff zum Notebook nicht mehr darüber nach, welches ich gerade in der Hand habe. Das war vor eineinhalb Jahren noch anders.

Das MacBook bleibt die solide Basis für so ziemlich alles vor allem Grafik und Audio. Das Linux-System dagegen hat sich einen klaren Platz erobert: Coding und einfach Dahinsurfen.

Wofür ich Ubuntu benutze

Auf dem EliteBook laufen IntelliJ und DBeaver, dazu Claude Code für einen Großteil der eigentlichen Programmierarbeit. Web-Entwicklung, Deployment, das Einrichten von Pipelines – alles Linux-Territorium bei mir. Die Pipelines selbst laufen übrigens auf meiner GitLab-Instanz auf dem Heimserver, aber sobald ich an einem Projekt weiterarbeiten will, ist es fast reflexartig das EliteBook, das ich aufklappe.

Kleiner ehrlicher Einschub, den man aus dem Podcast vielleicht schon kennt: Ein guter Programmierer bin ich nicht. Ich verstehe, was Code tut, ich kann ihn lesen, ich kann in Ansätzen selbst schreiben – aber wirklich flüssig von Null etwas hinzimmern, das liegt mir nicht. Was ich kann: sehr genau definieren, was ein Programm am Ende können soll. Genau dafür ist Vibe Coding mit Claude Code für mich gebaut, und genau dafür sitzt es bei mir auf dem Linux-Rechner.

Und Gaming? Läuft auch längst auf Linux

Wer meinen Blog verfolgt, weiß es ohnehin schon: Auch beim Zocken bin ich mittlerweile praktisch komplett bei Linux gelandet. Am Steam Deck mit SteamOS sowieso, aber auch am Gaming-PC läuft seit einiger Zeit Bazzite statt Windows – eine auf Gaming zugeschnittene Linux-Distribution, die genau das tut, was sie soll, und mich sonst in Ruhe lässt.

Und das hält auch bei größeren Titeln. Dragon Age: The Veilguard lief unter Bazzite in 1080p bei stabilen 60 fps, ohne dass ich einen Unterschied zu Windows gemerkt hätte – das Steam Deck war für den Titel dagegen schlicht zu schwach. Bei Hell is Us sah es ähnlich aus: am Gaming-PC unter Bazzite durchgehend flüssige 60 fps, am Steam Deck musste ich mit niedrigeren Einstellungen und ein bisschen Frame-Generation-Trickserei nachhelfen, damit es rund läuft. Linux-Gaming ist für mich also längst kein Kompromiss mehr, sondern der Normalfall.

GNOME als das angepasstes Abbild von macOS

Beim allgemeinen Look-and-Feel hat sich meine Einschätzung nicht geändert, eher gefestigt: Ubuntu mit GNOME kommt der macOS-Bedienlogik näher als alles andere, was ich unter Linux gesehen habe. Perfekt ist das nicht – Fenstermanagement macht hin und wieder Zicken, und wie eine Fensterdekoration aussieht, hängt sichtbar davon ab, ob eine App auf GTK setzt oder nicht. Aber im Alltag fällt das kaum noch auf. Es läuft schnell, es ist genügsam mit Ressourcen, und es funktioniert einfach. Manche Dinge musste ich lediglich ein bisschen mit Nachdruck reindrücken 🙂 zum Beispiel Tastatur Short cuts oder Remapping von Keys, einfach um dem von macOS versauten Muskelgedächtnis gerecht zu werden.

Dass Linux im Alltag ankommt, zeigt sich bei mir übrigens nicht nur am eigenen Schreibtisch: Auch den Laptop meiner Mutter habe ich mittlerweile auf Kubuntu umgestellt – Firefox, E-Mail, LibreOffice, fertig. Wenn Linux dort ohne Nachfragen funktioniert, ist das für mich der eigentliche Beweis, dass die Sache alltagstauglich ist.

Noch nicht alles da

Kommen wir noch zu den Dingen, die mir fehlen. GIMP ist aus Benutzersicht immer noch eine Katastrophe. Es gibt unter Ubuntu beziehungsweise Linux einfach kein Grafikprogramm, das im Ansatz an Photoshop, was man eigentlich eher nur noch belächeln müsste, aber vor allem nicht an Affinity rankommt. Auch fehlen mir die Shortcuts, die Automation. Unter MacOS ist das einfach. Konfigurierbar, zusammenklickbar. Man kann damit aufwendige Dinge machen oder einfach nur Kleinigkeiten, wie aus einem Kontextmenü raus ein Bild in ein anderes Format zu konvertieren. So was fehlt unter Ubuntu gänzlich. Aber das wird auch noch kommen. Da bin ich mir sicher.

Fazit

Eineinhalb Jahre später gibt es keine Bedenken mehr, nur noch Gewohnheit. Und falls es irgendwann tatsächlich einen Grund geben sollte, sich von Apple zu verabschieden – aus welchen Gründen auch immer -, dann ist diese Entscheidung für mich längst keine offene Frage mehr. Ich weiß genau, wohin ich dann gehe.

Clemens

Oft grantig, aber meistens ein ganz Lieber • Semi-informed • Nerdkramgedöns • My Kids2 👦🏻👦🏼 • science 🔬 • tech • 🖥️(SteamDeck) Gaming3 🎮 Mac 🍏 & Linux 🐧 • Hiking 🏔️ • Podcasting • Podcasthörend fast rund um die Uhr • DIY‘er • supporting 🏳️‍🌈 • Antifaschist • 🇪🇺 🌍

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