Mondphase: Neumond (Tag 28,5 von 29,5) · RSS · Mastodon ·

mrxn [ˈmʊʁksn̩]

Tech, Apple & Linux, Homelab & Alltag

NEU
01/05

Discord prüft das Alter, EvilTokens abgeschaltet

Discord schätzt künftig das Alter seiner Nutzer automatisch, Microsoft hat eine KI-gestützte Betrugsplattform abgeschaltet, 22 Staaten wollen eine UN-Aufsicht für große KI-Modelle, und in Wien entziffert ein Sprachmodell antike Papyri.

170426

Discord schätzt künftig das Alter seiner Nutzer automatisch, Microsoft hat eine KI-gestützte Betrugsplattform abgeschaltet, 22 Staaten wollen eine UN-Aufsicht für große KI-Modelle, und in Wien entziffert ein Sprachmodell antike Papyri.

Discord führt weltweite Altersverifikation ein

Discord rollt diese Woche eine überarbeitete Altersprüfung aus. Das Alter wird zunächst automatisch geschätzt, anhand von Signalen wie Kontoalter und Serververhalten, nicht anhand von Nachrichteninhalten. Nach Discords Angaben müssen über 90 Prozent der Nutzer nichts tun. Für 13- bis 17-Jährige greifen zusätzliche Sperren, für Erwachsene ändert sich nichts. Zum Bestätigen gibt es neue Wege ohne Ausweis oder Selfie, unter anderem per Kreditkarte. Den eigenen Status zeigt der Kontostatus in den Einstellungen.

Datenschutzfreundlich nennt Discord das, und die Formulierung lohnt einen zweiten Blick: Alter aus Verhaltenssignalen zu schätzen heißt, Konten danach zu bewerten, wie sie sich benutzen. Die Alternative zum Ausweisfoto ist also nicht „keine Daten“, sondern „andere Daten“. Die Kreditkarte wiederum misst zuverlässig, wer eine Kreditkarte hat. Praktisch relevant ist die Kehrseite der 90 Prozent: Die restlichen zehn sind überproportional neue Konten und Leute, die bewusst mit Zweitkonten arbeiten – also genau jene, die eine Prüfung jetzt am ehesten stört. Auch nicht so schlecht.

Quelle: GamingOnLinux zur Discord-Altersprüfung

EvilTokens: Microsoft schaltet KI-Betrugsplattform ab

Microsofts Digital Crimes Unit hat die Plattform EvilTokens stillgelegt. Sie übernahm Postfächer per Device-Code-Phishing und ließ anschließend einen Chatbot die Beute auswerten: Zahlungsflüsse erkennen, Hierarchien kartieren, die passende Betrugsmail gleich mitschreiben. Betroffen waren über 12.000 Konten in mehr als 10.000 Organisationen. Das ist eine Asnage. 50 Websites gingen vom Netz, über 150 Domains wurden gesperrt, mit dabei Cloudflare, OpenAI und Coinbase. In London wurden zwei Männer festgenommen. Der Zugang kostete 1.500 Dollar plus 500 im Monat.

500 Dollar im Monat! Neu ist an dieser Sache nämlich nicht die Technik – Device-Code-Phishing ist ein alter Hut -, sondern die Verpackung. Was früher hieß, dass jemand stundenlang fremde Postfächer durchliest, um den richtigen Zahlungsvorgang zu finden, läuft jetzt als Abo-Funktion. Bemerkenswert bleibt, wie normal der Vertrieb aussah: Dashboard, Monatsabo, Support über Telegram. Im Geschäftsmodell ist da kein Unterschied mehr zu legaler Software.

Quelle: IT-Administrator zum EvilTokens-Takedown

22 Staaten fordern eine UN-Aufsicht für KI-Modelle

Am Rande der UN-Vollversammlung haben 22 Staaten auf Initiative von Finnland und Norwegen eine strengere internationale Aufsicht über besonders leistungsfähige KI-Modelle gefordert. Auf der Liste stehen verpflichtende Tests vor dem Ausrollen, unabhängige Prüfer mit ausreichendem Zugang, abgestimmte Standards und ein gemeinsames Meldewesen für schwere Vorfälle. Dafür soll eine internationale Institution auf UN-Ebene entstehen. Die USA und China sind nicht dabei.

Eine Aufsicht ohne die beiden Länder, in denen die betreffenden Modelle trainiert werden, ist ein Standardisierungsgremium für alle, die sie nicht bauen. Das muss nicht wirkungslos bleiben: Wer in diesen 22 Ländern Geschäft machen will, hält sich an deren Regeln, und dass Marktzugang als Hebel funktioniert, hat der Digital Markets Act vorgeführt. Nur heißt das dann Marktregulierung und nicht globale Aufsicht.

Quelle: Linux-Magazin zur Erklärung der 22 Staaten

SteamOS 3.8.28 Beta und ein Steam-Client mit Pyrowave-Fixes

SteamOS 3.8.28 Beta enthält genau eine Korrektur: Auf Systemen mit dedizierter AMD-Grafikkarte brach die Spieleleistung nach dem Aufwachen aus dem Ruhezustand ein. Parallel gibt es einen Steam-Client-Beta für alle Plattformen. Dort ist die Bildschirmtastatur in Nicht-Steam-Spielen repariert, die Tastenbilder für die Paddles des Xbox Elite Controllers stimmen wieder, und beim Streaming über Remote Play Pyrowave verschwindet das Flackern unter Linux und SteamOS. Die Kodierung läuft künftig auf der Compute-Queue, dazu ist ein Speicherleck bei häufigen Auflösungswechseln behoben.

Bisher haben sich Spiel und Videokodierung dieselbe Grafikeinheit geteilt und sich gegenseitig ausgebremst; genau so eine Änderung merkt man als „läuft runder“, ohne dass sie in irgendeinem Benchmark auftaucht. Wer vom Rechner im Keller auf ein Handheld streamt – etwa auf eine Kiste mit Bazzite, wie ich sie mir im Dezember angesehen habe, hat vom behobenen Speicherleck allerdings mehr.

Quelle: GamingOnLinux zu SteamOS 3.8.28

Wiener Papyrussammlung: Sprachmodell Apollo füllt die Lücken

Die Österreichische Nationalbibliothek verwahrt rund 180.000 Papyri aus dem alten Ägypten, die zweitgrößte Sammlung der Welt. Nach 140 Jahren Arbeit sind acht Prozent entziffert, weil ein Großteil nur fragmentarisch erhalten ist. Die Akademie der Wissenschaften hat deshalb gemeinsam mit dem französischen Unternehmen Mistral das Modell Apollo entwickelt, trainiert auf 600 Millionen altgriechischen Wörtern. Es schlägt für jede Lücke fünf Lesarten vor. Beim bisherigen Tempo von 470 Papyri im Jahr bräuchten allein die griechischen Texte noch 120 Jahre.

Apollo schlägt fünf Möglichkeiten vor und überlässt die Entscheidung der Papyrologin – das ist der ehrliche Umgang mit einem Wahrscheinlichkeitsmodell. Es weiß nicht, was dort stand, es weiß, was statistisch plausibel wäre, und dieser Unterschied zählt, sobald das Ergebnis als Quelle zitiert wird. Das eigentliche Argument für den Einsatz sind ohnehin die 120 Jahre: Wo die Alternative lautet, es bleibt liegen, muss ein Vorschlagswerkzeug keinen Vergleich mit dem Menschen gewinnen.

Quelle: science.ORF.at: Papyrussammlung wird mit KI entziffert

KI heißt in den USA jetzt Super Intelligence

Donald Trump hat in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung angekündigt, dass künstliche Intelligenz in US-Behördendokumenten künftig SI heißen soll, für Super Intelligence. Begründung: „artificial“ klinge nach fake, die Technik sei aber echt. Ob er das durchsetzen kann, ließ er offen – „mal schauen, ob ich die Macht dazu habe“.

Über Sprachpolitik sagt die Umbenennung wenig, über den Marktzustand der Branche einiges. „Künstliche Intelligenz“ beschreibt ein Verfahren, „Super Intelligence“ beschreibt ein Versprechen. Wer das Versprechen in Behördendokumente schreibt, hat sich entschieden, welches von beidem er kauft. In derselben Woche, in der 22 Staaten verbindliche Tests für besonders leistungsfähige Modelle verlangen (siehe oben), besteht die US-Antwort aus einer Namensfrage. Erbärmlich!

Quelle: Linux-Magazin: KI heißt in den USA jetzt „Super Intelligence“

Kurz notiert

  • NVIDIA hat den empfohlenen stabilen Linux-Treiber auf Version 595.104.02 gehoben, ein kleines Pflegeupdate der laufenden Serie. Quelle
  • GamingOnLinux hat einen Leitfaden veröffentlicht, was zu tun ist, wenn ein Spiel auf Steam Deck, Steam Machine oder sonst unter SteamOS gar nicht erst startet. Quelle
  • Der Playtest von Respect The Horde hat einen nativen Linux-Build und Controller-Unterstützung bekommen. Quelle
  • Counter-Strike 2 hat mit „Rush“ einen schnellen 3-gegen-3-Modus bekommen. Quelle
  • Auch Urzeitechsen mussten sich übergeben: Fossile Speiballen geben Auskunft darüber, was die Tiere gefressen und wieder ausgewürgt haben. Quelle
  • Vor 100 Jahren starb der Biologe Paul Kammerer, dessen Vererbungsexperimente bis heute für Diskussionen sorgen. Quelle
Clemens

Oft grantig, aber meistens ein ganz Lieber • Semi-informed • Nerdkramgedöns • My Kids2 👦🏻👦🏼 • science 🔬 • tech • 🖥️(SteamDeck) Gaming3 🎮 Mac 🍏 & Linux 🐧 • Hiking 🏔️ • Podcasting • Podcasthörend fast rund um die Uhr • DIY‘er • supporting 🏳️‍🌈 • Antifaschist • 🇪🇺 🌍

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert