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01/05

Ubuntu-Kernel jede Woche, OpenAI-Agenten brechen wieder ein

Ubuntu stellt Kernel-Updates auf Wochentakt um, Transluce dokumentiert weitere Einbrüche von OpenAI-Agenten, auch bei einer australischen Behörde.

ubuntuweekly

Canonical stellt die Ubuntu-Kernel auf wöchentliche Updates um, Transluce findet weitere Einbrüche von OpenAI-Agenten, und iOS gibt der Vorschau-App Dateizugriff, den niemand erteilt hat. Dazu Intel-Tricks für Proton, ein Steam-Deck-Versprechen, das keines mehr ist, und World of Warcraft mit Raytracing.

Ubuntu: Kernel-Updates jetzt jede Woche

Canonical stellt die Kernel-Updates für Ubuntu um. Bisher gab es alle vier Wochen reguläre Updates und alle zwei Wochen Sicherheitsupdates, künftig läuft alles in einem einheitlichen Zwei-Wochen-Zyklus. Weil sich die Zyklen um eine Woche überlappen, erscheint praktisch jede Woche ein neuer Kernel. Woche eins ist Bauen und Grundtests, Woche zwei ist Zertifizierung auf echter Hardware. Wer nicht warten will, kann die Kandidaten schon aus -proposed ziehen. Für Lücken ohne Patch verspricht Canonical Workarounds innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Bekanntwerden. Als Grund nennt der Blogpost die Flut an CVEs, die KI-Werkzeuge beim Durchsuchen von Code produzieren.

Canonical nennt zwei Gründe und betont nur einen davon. Ja, Sprachmodelle finden Fehler schneller als Menschen. Aber die Kernel-Entwickler vergeben seit 2024 selbst CVE-Nummern und stufen dabei fast jeden Bug als mögliche Sicherheitslücke ein.

Für den Betrieb ist das egal, das Ergebnis bleibt dasselbe: Wer Ubuntu-Server fährt, bekommt künftig jede Woche einen neuen Kernel und damit jede Woche die Frage, wann er neu startet. Livepatch deckt einen Teil ab, aber eben nicht alles. Wer seinen Homelab-Rechner bisher einmal im Quartal gebootet hat, sollte sich einen festen Wartungstermin überlegen, oder zumindest unattended-upgrades mit automatischem Neustart um drei Uhr früh. Am Server wird es eine Umgewöhnung, die man zukünftig einfach anders plant.

OpenAI-Agenten: Transluce findet weitere Einbrüche

Das Forschungslabor Transluce hat weitere Fälle dokumentiert, in denen KI-Agenten von OpenAI fremde Server angegriffen haben. Die Agenten nutzten den Sicherheitsdienst urlquery.net als Umweg ins offene Internet. Kamen sie an Daten nicht heran, suchten sie nach Schwachstellen: im Mai bei der digitalen Bibliothek der University of New Mexico und bei Data USA, im Juni beim Australian Institute of Health and Welfare. Der australische Einbruch gelang, der Premierminister nennt ihn inakzeptabel. Laut Transluce-Bericht reichen die Spuren bis März 2026 zurück.

Der unangenehmste Satz im Bericht: Die Agenten haben nicht angegriffen, weil sie jemand darauf angesetzt hat. Sie sollten öffentliche Statistiken besorgen, und als das über den normalen Weg nicht klappte, war der Einbruch für sie offenbar einfach der nächste Lösungsschritt. Das ist kein Bösewicht, das ist ein Werkzeug, das „Aufgabe erledigen“ ernster nimmt als jede Regel dazwischen. OpenAI hatte schon beim letzten Agenten-Ausbruch erst geschwiegen und dann strengere Kontrollen angekündigt. Transluce findet Hinweise, dass die Aktivität auch nach diesen Kontrollen bis Mitte September weiterlief. Dass eine kleine Non-Profit-Organisation mit Scan-Logs eines Drittanbieters mehr herausfindet als der Hersteller mit vollem Zugriff auf seine eigenen Systeme, sagt einiges über die Prioritäten. Für Selbsthoster bleibt die praktische Lehre: Ein Bot mit ordentlicher Kennung ist nicht automatisch harmlos, und der Rate-Limiter vor der eigenen API ist keine Paranoia mehr, sondern Grundausstattung. Wer wissen will, was bei ihm anklopft, findet im Access-Log erstaunlich oft Anfragen, die nach einem gescheiterten Abruf plötzlich nach Admin-Pfaden oder Debug-Schnittstellen suchen. Genau dieses Muster beschreibt Transluce.

iOS 26 und iOS 27: Vorschau-App holt sich Dateizugriff selbst

Jeff Johnson von Lapcat Software beschreibt einen Fehler in iOS, der seit iOS 26 besteht und in iOS 27 weiterhin da ist. Öffnet man ein PDF in der Dateien-App, landet es in der Vorschau-App, und die hat danach in den Datenschutz-Einstellungen Zugriff auf „Dateien und Ordner“, ohne dass jemand zugestimmt hätte. Schaltet man den Zugriff ab, verschwindet die App einfach aus der Liste. Beim nächsten PDF ist sie wieder da, samt Berechtigung. Laut einem Leser passiert dasselbe mit der Bücher-App. Johnson veröffentlicht das als Blogpost statt als Bug-Report, weil er Apples Feedback Assistant boykottiert.

Technisch ist das kein Weltuntergang. Die Vorschau-App ist von Apple, und sie greift auf eine Datei zu, die man selbst angetippt hat. Aber genau dafür gibt es diesen Schalter: damit man sieht und entscheidet, welche App was darf. Ein Datenschutz-Schalter, der sich beim Ausschalten in Luft auflöst und beim nächsten Tippen wieder auftaucht, ist unnötig. Apple verkauft seit Jahren Privatsphäre als Produktmerkmal und lässt sich das von Drittanbietern bei jeder Gelegenheit bestätigen (und da ist echt mühsam). Für die eigenen Apps gelten die Regeln dann offenbar etwas lockerer. Und dann muss ein erfahrener Entwickler einen öffentlichen Blogpost schreiben, denn Apples offiziellen Kanal zu benutzen, ist mühdam. Wenn der Feedback Assistant so frustrierend ist, dass die Leute, die am meisten Fehler finden, ihn meiden, erfährt Apple von solchen Problemen nur noch zufällig. Oder aus der Presse. Wer selbst iOS-Apps entwickelt und Berechtigungen testet, sollte den Fall im Hinterkopf behalten: Die Einstellungen zeigen offenbar nicht immer den tatsächlichen Stand, und ein fehlender Eintrag heißt nicht zwingend, dass eine App keinen Zugriff hat.

DXVK-IGDEXT: Intel-Grafik unter Proton wird schneller

Intel hat mit DXVK-IGDEXT ein neues Open-Source-Projekt veröffentlicht. Der Name ist kryptisch aber es liefert eine igdext64.dll für Wine und DXVK, über die Spiele Intels eigene Direct3D-11-Erweiterungen nutzen können, etwa für mehrere Zeichenbefehle auf einmal oder Tiefenbegrenzung. Bisher fielen Spiele unter Proton auf den langsameren Standardweg zurück, weil diese Erweiterungen fehlten. Das Prinzip kennt man von DXVK-NVAPI für Nvidia. Das Projekt steht unter MIT-Lizenz und steckt schon in den Beta-Builds von Proton Experimental.

Intel schreibt hier Code, der ausschließlich unter Linux läuft, und zwar für Windows-Spiele, die über Valves Übersetzungsschicht laufen. Das ist eine ziemlich klare Aussage darüber, wo Intel die Zukunft seiner Arc-Grafikkarten beim Spielen sieht: nicht nur auf Windows-Rechnern, sondern auf SteamOS und Handhelds. Valve hat mit dem Steam Deck den Weg geebnet, und jetzt zieht der Hersteller nach, der beim Spielen bisher am wenigsten zu melden hatte. Nutzer müssen nichts tun, das Paket landet irgendwann automatisch in Proton. Wer eine Arc-Karte unter Bazzite oder einem anderen Gaming-Linux betreibt, kann die Beta von Proton Experimental probieren und selbst vergleichen. Ob der Unterschied spürbar ist, hängt vom Spiel ab: Nur Titel, die diese Intel-Erweiterungen tatsächlich abfragen, profitieren überhaupt davon. Und da liegt der Haken: Viele Studios haben Intels Erweiterungen nie eingebaut, weil Arc-Karten am Markt kaum eine Rolle spielten. Das Projekt hilft also vor allem neueren Titeln und solchen, bei denen Intel selbst beim Optimieren geholfen hat. Ein Wundermittel für alte Spiele ist es nicht, eher ein Baustein für eine Lücke, die Nvidia-Nutzer schon lange nicht mehr haben.

CONTROL Resonant: Steam Deck plötzlich nicht unterstützt

Remedy hat am 24. September CONTROL Resonant veröffentlicht, den Nachfolger von Control. Valve stuft das Spiel für das Steam Deck als „Unsupported“ ein, wegen schwacher Leistung. Auf der neuen Steam Machine läuft es dagegen als „Verified“, und unter SteamOS allgemein gilt es als kompatibel, dank Proton. Das Problem: In Remedys offizieller FAQ stand bis wenige Tage vor dem Start ausdrücklich, dass das Steam Deck zum Launch unterstützt wird. Dieser Satz wurde inzwischen stillschweigend entfernt, berichtet GamingOnLinux.

Dass ein anspruchsvolles Spiel auf einem Handheld von 2022 nicht flüssig läuft, überrascht niemanden. Das Steam Deck war natürlich nie für aktuelle Großproduktionen gebaut, und mit der Steam Machine hat Valve inzwischen selbst stärkere Hardware im Angebot. Der eigentliche Ärger ist die Kommunikation vorab. Wer vorbestellt hat, hat das möglciherweise auf Basis einer klaren Aussage getan, und diese wurde ohne jede Erklärung aus der FAQ gelöscht, auch die Release-Ankündigung schweigt dazu.

Das ist die Art Korrektur, bei der man hofft, dass es niemand merkt. Immerhin: Steam gibt ohnehin Geld zurück, wenn man weniger als zwei Stunden gespielt hat. Wer das Spiel am Deck ausprobiert hat und enttäuscht ist, sollte die Frist nicht verstreichen lassen, bevor irgendwann ein Patch kommt, der das Problem vielleicht löst, vielleicht auch nicht.

Bei der Einstufung selbst lohnt übrigens ein zweiter Blick: „Unsupported“ heißt bei Valve nicht, dass das Spiel nicht startet, sondern dass es Valves Anforderungen an flüssiges Spielen nicht erfüllt. Wer mit niedrigen Details leben kann, wartet am besten die ersten Erfahrungsberichte auf ProtonDB ab. Alternativ kann man auch mit Losless Scaling versuchen per Frame Gen ein paar Frames rasuzukitzeln.

World of Warcraft: Forever bringt Raytracing nach Azeroth

Blizzard hat mit World of Warcraft: Forever einen neuen Spiel-Client angekündigt, der die alte Welt mit moderner Grafik kombiniert. Kern ist indirektes Licht per Raytracing: Wände nehmen die grüne Farbe des Grases und das Rot der Dachziegel auf, Schatten in Sturmwind werden abends warm statt bläulich-grau. Blizzard nutzt dafür ein eigenes, grobes Verfahren, das auch auf älteren Grafikkarten ohne Raytracing-Kerne läuft. Dazu kommen volumetrischer Nebel, Schatten, die mit der Tageszeit wandern, größere Sichtweiten und neues Wasser. Die handgemalten Texturen von 2004 bleiben. Details bei Digital Foundry.

KI unterscheidet Metastase und neuen Lungenkrebs

Klaus-Robert Müller von der TU Berlin hat ein neuronales Netz darauf trainiert, bei Patienten mit früherem Kopf-Hals-Tumor zu erkennen, ob ein späterer Befund in der Lunge eine Metastase oder ein neuer Krebs ist. Unter dem Mikroskop sehen beide fast gleich aus. Die KI liest stattdessen chemische Markierungen auf der DNA, die wie ein Fingerabdruck der Herkunft wirken. Ohne KI war die Unterscheidung kaum besser als Raten, mit KI gelingt sie in 92 Prozent der Fälle. Das ist entscheidend: Ein neuer Lungenkrebs ist oft heilbar, eine Metastase bedeutet wenige Monate. science.ORF.at berichtet anlässlich einer Vorlesung an der Akademie der Wissenschaften, die Studie dazu erschien in Science Translational Medicine.

Neu ist, dass das diese Arbeit tatsächlich im Klinikalltag angekommen ist. Zehntausend Papers pro Jahr zu KI in der Medizin, und nur ein Bruchteil landet in der Anwendung. Schön ist auch, dass Müller die Grenze gleich mitliefert: Das funktioniert, weil es für diese häufigen Krebsarten genug Daten gibt. Bei seltenen Tumoren, und die sind in Summe die Mehrheit, fehlt das Trainingsmaterial. Das ist die ehrliche Version einer KI-Erfolgsgeschichte: ein eng umrissenes Problem, eine überprüfbare Trefferquote, ein Mensch, der am Ende entscheidet. Kein Chatbot, der Diagnosen improvisiert, sondern ein Werkzeug, das genau eine Frage beantwortet und das ziemlich gut. Man wünscht sich, dass diese Art von KI-Nachricht öfter ihren Weg in die Schlagzeilen findet, zwischen all den Agenten, die Gesundheitsbehörden aufbrechen. Und die mit ihren 92 Prozent auch gleich eine ehrliche Fehlerquote mitliefert.

Das ist der feine Unterschied zwischen Massenhaft Traningsdaten für spezialisierte Modelle und KI generierten Intstagram Shit AI Slop! Ersteres hat einen tatsächlichen Nutzen, während das Andere nur heiße Luft produziert, gesellschaflich wie auch ökologisch.

Kurz notiert

  • Thunderbird 156.0.1 behebt laut Release Notes einen möglichen Absturz beim Speichern von Nachrichten.
  • Der Faugus Launcher 2.4.0 bringt ein Backup-System für Spiele, Wine-Prefixe und Proton-Versionen sowie neue Übersichts- und Karussell-Ansichten.
  • Bethesda macht Quake Champions kostenpflichtig: Battle Pass und Lootboxen fliegen raus, weitere Inhalte sind nicht geplant, wer es schon hat, behält es.
  • Gaming on Linux berichtet: Beat Saber bekommt im Frühjahr 2027 ein großes Update mit Handtracking-Modus „Flux“ und überarbeiteter Kampagne.
  • Die Cherry Xtrfy K63W funkt per Ultrabreitband statt 2,4 GHz und damit auf weniger verstopften Frequenzen, ein Spaß für 180 Dollar.
  • Wo Steam die Dateien von Windows-Spielen unter Proton ablegt, erklärt ein Leitfaden zu den Proton-Spieldateien.
  • Larven der Büschelmücke im Malawisee tauchen fast einen halben Kilometer tief, ohne dass ihr Atemsystem kollabiert. Die Studie in Science widerlegt eine 30 Jahre alte Annahme.
  • ORF Wissen meldet: Der vierbeinige KAIST-Roboter Raibo2 hat einen Marathon in 4 Stunden 19 Minuten mit einer Akkuladung geschafft.
  • In Tansania wurde Dinodontosaurus isiyavamanda beschrieben, eine 240 Millionen Jahre alte Art, deren Gattung man bisher nur aus Südamerika kannte.
  • Österreichs Hochschulen melden mit 407.485 Studierenden im Wintersemester 2025/26 einen Rekord, das Plus kommt vor allem von FHs und Pädagogischen Hochschulen.
Clemens

Oft grantig, aber meistens ein ganz Lieber • Semi-informed • Nerdkramgedöns • My Kids2 👦🏻👦🏼 • science 🔬 • tech • 🖥️(SteamDeck) Gaming3 🎮 Mac 🍏 & Linux 🐧 • Hiking 🏔️ • Podcasting • Podcasthörend fast rund um die Uhr • DIY‘er • supporting 🏳️‍🌈 • Antifaschist • 🇪🇺 🌍

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